Zitate

Beim Lesen eines Buches gibt es immer einmal Passagen, die lustig oder bemerkenswert und daher erwähnenswert sind. Manche Ausführungen führen auch zu einem Stirnrunzeln. All diesen Beweisstücken vom Tatort Buch soll hier eine Asservatekammer geschaffen werden:

  


    Pfälzische Probleme...


            Kommissar Tannenberg (Kaiserslautern) im Gespräch mit seinen Eltern:

          >>Außerdem hat sich dein Vater vorhin über die Nachrichten im Radio aufgeregt. Als ob man sich über so etwas überhaupt aufregen müsste.<<
          >>Was für Nachrichten denn, Mutter ?<<
          >>Die haben gesagt, dass das Saarland mit Rheinland-Pfalz zusammengelegt werden soll.<<
          Plötzlich kehrte noch mehr Leben in den alten Mann zurück. >>Ich will diese Rucksackfranzosen nicht ! Wir haben genug eigene Probleme ! Die wollen sowieso bloß unser Geld haben ! Genau, wie die aus der DDR !<<
          >>Vater, du hast ja Recht ! Aber ich hab gehört, dass jede pfälzische Familie einen Saarländer zugewiesen bekommen soll, den man dann als Küchennhelfer, Gärtner usw. einsetzen kann.<<
           >>Was für'n Quatsch !<<
          >>Ach, Gott Vater, mach dir doch keine Gedanken über ungelegte Eier. Das wird's nie geben, weil die dann im Saarland 'ne Volksabstimmung machen würden. Und du glaubst doch nicht im Ernst, dass die zu uns wollen !<<

          Zitat aus Bernd Franzinger: "Goldrausch" S.302 f.


    Heimwehpläne


          Peter eingefleischter Saarländer verliebt sich in die "Saumagenfresserin" (O-Ton der Kurzgeschichte !!) Renate und wohnt nun in Kaiserslautern umständehalber
          .
          " Der Schorsch...", fing Renate stockend an.
          Ungewöhnlich geduldig wartete Peter, bis "Ääs" sich wieder gefangen hatte. Der Schorsch war stolzer Besitzer des einzigen saarländischen Arbeitsplatzes, auf den Renate mit ihrer ausgefallenen Qualifikation als Spezialistin für altrussische Birkenrindenurkunden zu hundert Prozent passte. Da er seine Stelle am Institut für Slawistik gewiss nicht freiwillig räumen würde, hatte Peter gestern Abend wirkungsvoll nachgeholfen.
          "Der Schorsch...er ist tot." Renates Stimme zitterte


          Zitat aus Susanne Kraus: "Dahemm is dahemm", Chaussée Heft 16 S.60

 


    "Grubenunglück"


          Kriminalhauptkommissar Bremer in der Nähe eines Tatortes in Göttelborn:

          Zurück in der Hauptstrasse musterte Bremer die Gaststätte >>Casino<<, entschloss sich kurzerhand, einzutreten und etwas zu trinken. Mit den Händen in den Hüften platzierte er sich in der Mitte des Gastraumes und verkündete mit hochmütigem Gesichtsausdruck, als sei er ein Adeliger und die Männer vor ihm Knechte: >> Gott sei Dank wird diese verdammte Grube Göttelborn endlich zugemacht, und der Rest ist nur noch eine Frage der Zeit.<<
          War vorher angeregtes Gespräch zu hören, hier und da ein Lachen oder ein saftiger Fluch, herrschte jetzt absolute Ruhe. Geräusche, die sonst im Alltagsbetrieb untergingen, waren jetzt klar und deutlich zu vernehmen: die Kühlung des Kuchenregals, der Lüfter, das leise Gurgeln in den Schläuchen der Zapfanlage. Eine Fliege durchquerte das >>Casino<<, und alle Blicke hefteten sich auf das Insekt, das sich beeilte, die gegenüberliegende rettende Wand zu erreichen. Als wäre das Verstummen der Fliege ein vereinbartes Zeichen gewesen, sprangen die meisten von ihren Stühlen auf, ohne einen Mucks, krempelten sich die Arme auf und maschierten wie die Front einer Infanterielinie auf Bremer zu...

           Zitat aus Martin Conrath: "Das schwarze Grab", S. 45f.


    Irgendwie vertraut...


           Privatdetektiv Bruno (Schmidt) auf dem Weg in das fiktive Hunsrückdorf Wulfsgruben:

          Bruno kam an ein paar Häuschen vorbei, die in den Fünfzigerjahren im Stil betender Hände errichtet worden waren. Lange vor ihm musste sich ein außerordentlich verkaufstüchtiger Vertreter für Eternitplatten durch den Ort geklingelt haben.

          Zitat aus Walter Wolter: "Hundstage Wolfsnächte", S.84


    Pressekonferenz


          Grabbe, Mitarbeiter von Kommissar Waldemar Bock (Trier), im Clinch mit der Presse:

          Grabbe war inzwischen so angespannt, dass er kaum noch Luft zum Sprechen hatte: >>Bei der Aktion "Präsenz vor Ort" geht es in erster Linie um die Verhinderung von Versprechen durch die sichtbare Potenz der Polizei auf Strassen und Plätzen der Innenstadt, besonders in den Abendstunden.<<
          Die Presseleute schauten sich grinsend an.
          "Wir haben im Vergleich zu anderen deutschen Städten eine niedrigere Versprechensrate, dennoch gilt all unser Streben... äh... also unser Streben geht dahin...<<
          >>Das Versprechen zu bekämpfen ?<<, fragte die Frau.
          Polizeipräsident Stiermann schnaufte wie einer seiner Namensvettern kurz vor dem Angriff.
          Grabbe quälte sich und die anderen weiter: >> Die Krminalitätsstatistik wird von manchen Presseorganen - ich schließe die Anwesenden natürlich aus - oft gewaltig hochstilisiert<<, er atmete tief durch, als er diese Hürde umschifft hatte.
          >>Dabei, und da werden Sie mir sicher beipflichten, passiert in Trier im Schritt wirklich deutlich weniger als in anderen Städten vergleichbarer Grösse.<<
          Die Frau von gegenüber nickte heftig. Jetzt war am Tisch kein Halten mehr.

          Zitat aus Mischa Martini: "Soko Mosel", S. 24f.

     
    Präventivschlag


          Wie de Niggel Kleischder in Wirklichkäd geschdorb is

          Es Karlche kridd an Weihnachde e Messer.
          Die Mutter sidd's nidd gär.
          De Vadder mennd, 's wär besser:
          das breischd ma heid jo schunn im Kinnergarde,
          daß ähm die annere nidd immer schwarde

          Das  Karlche schnizd e Gawwel aus me Aschd
          unn midd me Fahrradschlauch
          unn midd 'ra Ledderlasch
          machd er e Schneller, die is gudd:
          die schießd uff 30 Meder jed Fuinschder kabudd.

          Die Mudder sidd's nidd gär unn sahd:
          Karlche, gehorchde
          jezd odder nidd? Wenn nidd, dann...
          dann holld dich ball e schwarzer Mann
          unn scheckd dich in de Schorschde.

          E paar Dah schbäder uff irjend'me Dach
          (das war arisch schdeil unn bißje flach)
          sidd das Karlche e schwarzer Mann
          Er hold sei Schneller eraus unn lehd ahn.

          Der Schdähn dreffd denne Mann
          midd der Wuchd vunn me Laschder
           Es haud ne vumm Dach
          unn er knalld uff das Plaschder.
          Das war nadierlich sei grusselich Enn.
          Es Karlche gehd hemm unn reib sich die Hänn.

          Die Leid hann gesahd:
          es is jo kenn Wunner, der Kleischder
          (so hadd unser Schoschdefejermeischder
          gehieß), also der Niggel, der war jo immer besuff.
          Jetd hadd ne endlich sei Schicksal gedroff.

          Zitat aus Axel Herzog: Manchmol hann ich e beeser Drahm, S. 176 f.

     
    Auf Feindfahrt....


          Kommisar Tannenberg (Kaiserslautern) auf dem Weg ins Saarland

           "Der Dienstanweisung entsprechend durfte auch Petra Flockerzie nicht das Geringste von seinem Geheimauftrag erfahren. Deshalb versuchte Tannenberg eigenhändig die Telefonverbindung zur Zentrale des Security-Services herzustellen. Nachdem er allerdings über eine Viertelstunde lang lediglich das Besetztzeichen der Saarbrücken Telefonnummer vernommen hatte, entschloss er sich widerwillig zu einer Dienstreise ins benachbarte Bundesland, in welches sich ein waschechter Pfälzer normalerweise nur dann begab, wenn es unbedingt sein musste.
          Wie stets war die A 6 auch an diesem relativ milden und diesigen Novembertag stark befahren. Tannenberg verspürte nicht die geringste Lust auf eine stressige Autobahnfahrt. Deshalb reihte er sich auf der rechten Spur in die Blechkarawane ein und drehte das Autoradio lauter. Als der Empfang seines Lieblingssenders mit der Zeit schlechter wurde, wechselte er notgedrungen zum 1. Programm des Saarländischen Rundfunks, derjenigen ARD-Anstalt, die sein Vater stets nur als ‚Feindsender’ titulierte.
          Nachdem die letzten Takte von ‚Born to be wild’ verklungen waren, meldete sich ein dampfplaudernder Moderator zu Wort und verkündete lauthals, dass der neue Trainer des 1. FC Kaiserslautern als erste Amtshandlung die Verwendung von Hochdeutsch angeordnet hätte. Damit wolle er die Kommunikation in der Mannschaft verbessern. Die afrikanischen Spieler hätten damit keine Probleme - ganz im Gegensatz zu ihren pfälzischen Kollegen …
          „Ach, Gott, bist du vielleicht ein Komiker! Mein Junge, ich frag dich nur eins: In welcher Liga spielt denn der 1. FC Saarbrücken?“, konterte Tannenberg in voller Lautstärke."


          Zitat aus Bernd Franzinger: Bombenstimmung (Tannenbergs sechster Fall, erscheint am 6.September 2006)

 


    Mahlzeit !

           
          Bruno Schmidt, Privatdetektiv, auf der Rückfahrt von einem Auftrag, der beinahe sein letzter gewesen wäre....

          "Kahle Schlackehalden tauchten auf und aus dem Dunst erhob sich die bizarre Kulisse der Völklinger Hütte, eines rostigen Dinosauriers aus den dahingeschmolzenen Zeiten der saarländischen Schwerindustrie. Bruno verließ die Autobahn.
          In einer Fernfahrerkneipe ließ er sich von einer aufgeblondeten Senioren-Barbiepuppe mit hängenden Pobacken einen Altvogel aus dem Hühner-KZ mit Pommeshalde und einem Schälchen welkem Kopfsalat servieren."

          Zitat aus Walter Wolter: "Zur Hölle mit den Wanderfalken" S.283f.

      
    Theaterskandal


          Zwei Schauspieler (ein alter und ein junger Kollege) im Gespräch über die Rolle des Mephisto:

          "Der Alte schien seine Gedanken erraten zu haben: << Der wichtigste Tipp: Kämpf mit ihm. Auch wenn Du ihn magst. Das gibt Spannung auf der Bühne. Ich persönlich habe meinen Mephisto immer gehasst. Das letzte Mal in der Provinz. Saarbrücken, glaub ich. Grauenvolle Inszenierung, wir trugen in der Walpurgisnacht überdimensionale Stoffschwänze. Lächerlich, aber ein publikumswirksamer Theaterskandal.>>"

          Zitat aus Madeleine Giese: "Das Spiel heisst Mord" S. 92.

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